Ein jahrzehntealtes Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada löst aktuell ein Beben in der hiesigen Whisk(e)yszene aus. Grund: ein bislang nicht berücksichtigter Abschnitt, der die Verwendung der Bezeichnung „Rye Whisk(e)y“ innerhalb der europäischen Union untersagt.
Altes Abkommen mit Kanada
Jenes EU-kanadische Handelsabkommen, das 2003 unterzeichnet wurde, sieht unter anderem den Schutz geografischer Angaben für Weine und Spirituosen vor. Nach über 20 Jahren kommt nun ans Licht, dass darin auch die exklusive Verwendung der Bezeichnung „Rye Whisk(e)y“ den Kanadiern zugestanden wird. Aus nicht bekannten Gründen erfolgt die Umsetzung dieser Vorgabe durch die Mitgliedsstaaten der EU erst seit diesem Jahr. Insbesondere aus Dänemark und Schweden ist zu vernehmen, dass die jeweiligen Behörden es ernst meinen und den Zusatz „Rye“ von den Etiketten entfernt sehen wollen. In Deutschland scheint es noch keine entsprechende Anordnung zu geben.
In der Szene brodelt es
Bei Whisk(e)yproduzenten in der EU ist der Zorn groß. Als Absurd wird nicht nur die deutlich verspätete Umsetzung betrachtet, sondern auch, dass damit keine Herkunftsbezeichnung, sondern ein Getreide geschützt werde. Außerdem würden die EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung nicht einheitlich vorgehen und sogar über das Ziel hinausschießen. So habe Dänemark gar angeordnet, den Begriff „Rye“, also die Hauptzutat, gänzlich von Etiketten zu verbannen. Im Umkehrschluss werde der Konsument über die Zusammensetzung seines Whisk(e)ys im Dunkeln gelassen. Kurios obendrein ist, dass einige der in der EU hergestellten Rye Whisk(e)ys ohne Beanstandung der Bezeichnung in Kanada gehandelt werden.
„We are, of course, quite frustrated that a huge mistake has been made in the EU concluding this agreement. Rye, being a raw material used for whiskies in several different countries, should not be trademarked in the EU. Protecting the use of the raw material is a bit like saying that outside of France you can’t use the word ‚grape‘ or ‚wine‘ in your product description“, sagt Alex Munch, CMO und Mitgründer von Stauning Whisky in Dänemark.
„Wir produzieren in Österreich seit über 30 Jahren Whisky – lange bevor das Abkommen in Kraft getreten ist. Dieses Stück Whiskygeschichte lassen wir uns nicht nehmen – und auch nicht unsere Tradition“, sagt Jasmin Haider-Stadler, Geschäftsführerin der Destillerie Haider in Österreich und Vorsitzende der Austrian Whisky Association. „Es wird Zeit Europäischen Roggenwhisky zu definieren, und ihn nicht unter einem Abkommen, das so nicht gerechtfertigt ist, untergehen zu lassen.“
Mikko Koskinen, Mitgründer der Kyrö Distillery Company in Finnland, erzählt: „We founded Kyrö Distillery in 2014 with the idea of making single malt rye whisky. In 2019, the term single malt was reserved to spirits made with barley, and now we find out that we can’t call our whisky rye whisky. It’s like making extra virgin olive oil and suddenly being unable to call the produce ‚extra virgin‘ nor ‚olive oil‘.“
Bastian Heuser, Mitgründer von Stork Club in Deutschland, erklärt: „Das Absurde daran ist: entgegen dem entsprechenden Namen muss kanadischer ‚Rye Whisky‘ überhaupt keinen Roggen enthalten! Europäische Rye Whisky-Produzenten hingegen verwenden mindestens einen erheblichen Anteil an Roggen (min. 51%), oder sogar wie wir ausschließlich Roggen ohne jede Beimischung anderer Getreide. Aber wir sind diejenigen, die jetzt nicht mehr von Rye Whiskey sprechen sollen.“
Keine schnelle Lösung in Sicht
Vorerst ist keine Lösung in Sicht. Die betroffenen Whisk(e)yproduzenten bringen ihre Rye Whisk(e)ys derzeit in einer zensierten Version auf den Markt, auch, um damit auf das Problem aufmerksam zu machen. Gefordert wird eine zeitnahe Nachbesserung des Handelsabkommens, damit in der EU ansässige Whisk(e)yproduzenten die Bezeichnung „Rye Whisk(e)y“ wieder nutzen können.
Quelle: diverse
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